Brockenüberquerung (leicht geschummelt)
- brisieno
- 13. März 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Feb. 2025
Tag 35, zusammen 15,5km, 4,5 Stunden
Hohegeiß - Bad Harzburg


Lange habe ich im Vorfeld überlegt, wie ich diese Etappe angehe. Da ich keine Übernachtung auf den Brocken bekommen habe, hieß es hoch von Hohegeiß und wieder runter nach Bad Harzburg an einem Tag. Das wären sehr sportliche 30km+ gewesen (und ein paar unwesentliche Höhenmeter). Vielleicht nicht ganz hoch, sondern unterhalb etwas abkürzen? Aber da war kein wirklich guter Weg angezeigt. Und vereinzelt liegt auch noch Schnee da oben. Oder doch die Bahn?
Nach den beiden letzten anstrengenden Tagen und den Wetteraussichten habe ich mich für die Brockenbahn entschieden. Also nur schnell 3km nach Sorge nach dem Frühstück und dann anderthalb Stunden Bahnfahrt. Das habe ich auch noch nie gemacht und war spaßig, die Kosten gönnt man sich auf so einer Wanderung auch mal.


Job des Tages: Triebwagenführer bei der Harzer Schmalspurbahn! Kein Streik und alle 100m darf man hupen, weil wieder irgendein Wanderweg kreuzt.
Oben war richtig dicker Nebel, man konnte noch nicht mal die Wetterwarte sehen. Da habe ich mich gar nicht lange aufgehalten, zumal ich das Museum dort ja auch schon kannte.

Abhörstation Brocken
Die bekannteste ostdeutsche "Abhörstation", wahrscheinlich die bekannteste in Deutschland überhaupt, stand auf Norddeutschlands höchstem Berg (1142m). Nachdem die US-Truppen den Brocken 1945 erobert hatten, wurde er am 28. April 1947 in die Verwaltung der Roten Armee übergeben. Seitdem waren hier sowjetische Truppen stationiert, mit dem Bau der Mauer im August 1961 war es dann mit jeglichem Tourismus vorbei. Der Brocken und selbst der kleine Ort Schierke wurden nun zum Sperrgebiet. Ab jetzt hatte die sowjetische Einheit eine Stärke von rund hundert Mann und war dem sowjetischen Geheimdienst GRU direkt unterstellt. Informationen über Militärbewegungen in ganz Westeuropa wurden vom hier aus gesammelt, aufgezeichnet und weitergeleitet.
Aber natürlich hatte auch das Ministerium für Staatssicherheit hier ein "Ohr" in den Westen gerichtet. Abgehört wurden u.a. B- und C-Netz (Autotelefon), der Polizei-, BGS- und Militär-Funkverkehr in der BRD und Richtfunkstrecken nach Berlin, zwischen München und Hamburg/Hannover, zwischen Hamburg und Bremen und vieles mehr. Zuletzt zwischen 21 und 26 Stasi-Mitarbeiter taten im Dreischicht-Betrieb in der Führungsstelle mit dem Decknamen "Urian" ihren Dienst und lauschten bis zu 400km in den "Westen" hinein.
Aufgrund der eigenwilligen Form des 1986 errichteten Hauptgebäudes bekam dieses prompt einen ebensolchen Namen: Stasi-Moschee. Neben dieser von den Filmstudios in Babelsberg hergestellten Kuppel aus glasfaserverstärktem Polyesterharz gab es fünf weitere Radome und mehrere Masten, zum Teil mit feinster Technik aus dem "kapitalistischen Ausland" bestückt. Offenbar traute man der eigenen Technik nicht so recht über den Weg.
Am 3.Dezember 1989 erzwangen Demonstranten den Zugang zur bis dahin komplett gesperrten Kuppe. Die russischen Soldaten waren freundlich und versorgten die "Besucher" mit heißem Tee. Erst im Mai 1991 wurde mit dem Abriss der Mauer begonnen, die den gesamten Gipfelbereich umgab, 1992 fiel der letzte Wachturm des Geländes und erst Ende März 1994 räumte die Rote Armee ihre Gebäude.

Ab nach unten, anderthalb Stunden steil auf dem Kolonnenweg. Das war anstrengend, ich bin nicht schneller als hoch...
Kleines Päuschen an der Rangerstation Scharfenstein, gerne hätte ich mich mit dem Ranger dort noch länger unterhalten. Dann weiter zur Eckertalsperre. Verrückt, dass die Grenze da mitten durch ging.
Und dann noch über die Radauwasserfälle nach Bad Harzburg. Zu wenig gewandert bin ich also trotzdem nicht. Und das Hotel hat Schwimmbad und Sauna - alles richtig gemacht heute! Aber schwimmen nach immerzu wandern fühlt sich sehr lustig an, ganz andere Bewegungen.
Und morgen habe ich meine eigene Harzüberquerung von West nach Ost vor mir. :)
Unterkunft: Bad Harzburg Spa**
Großer Hotelkasten mit gewöhnlichen Zimmern, aber Schwimmbad und
bombastisches Frühstücksbuffet




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